Ernst Mally

Ernst MallyErnst Mally wird am 1. Oktober 1879 in Krainburg (Kranj) im heutigen Slowenien geboren. Zum Studium zieht er nach Graz, damals eine „Hochburg des Deutschnationalismus“ (Sauer 1998, 168). Mally promoviert 1903 zu Untersuchungen zur Gegenstandstheorie des Messens bei Alexius Meinong und wird 1913, nach Fertigstellung seiner Habilitationsschrift Gegenstandstheoretische Grundlagen der Logik und Logistik, Dozent an der Universität Graz (vgl. Hieke/Zecha 2014, o.S.). Nach Meinongs Tod 1920 geht die Leitung des von ihm gegründeten Psychologischen Laboratoriums auf Mally über (vgl. Höflechner 2006, 260). 1925 folgt er Meinong als Ordinarius nach, 1926 als Leiter des Philosophischen Seminars (vgl. Roschitz 2016, 23-4).

Nach dem Zerfall der Monarchie wird Mally Mitglied der Großdeutschen Volkspartei, deren Programmatik neben dem namensgebenden Deutschnationalismus ein „ideologische[s] Konglomerat aus Antiliberalismus, Antimarxismus, Antisemitismus und rassistisch verstandener Volksgemeinschaft“ umfasst (Sauer 1998, 169). Das Ende der Demokratie in Österreich 1933 und die Errichtung der Diktatur hinterlassen in Mallys Biographie, abgesehen von seiner Mitgliedschaft in der Einheitspartei „Vaterländische Front“, „keine bedeutenden Spuren“ (Roschitz 2016, 28).

Im zeitlichen Umfeld des „Anschlusses“ Österreichs deklariert sich Mally offen als Nationalsozialist. Er schließt sich im Februar 1938 dem Volkspolitischen Referat an und wird wenig später Mitglied des NS-Lehrerbundes (vgl. Sauer 1998, 172). Mit Mai 1938 wird Mally Mitglied der NSDAP (vgl. Korotin 2007, 172). Bereits im Oktober 1938 erscheint seine Schrift Anfangsgründe der Philosophie. Leitfaden für den philosophischen Einführungsunterricht an höheren Schulen. Es handelt sich dabei um ein nationalsozialistisch durchdachtes Werk (vgl. Sauer 1998, 180-4 und Roschitz 2016, 148-54). Sauer vertritt die Ansicht, dass „Mally in seinem philosophischen Werk längst vor dem ‚Anschluß’ alles Wesentliche für das vorbereitet hatte, was dann aus seiner Feder fließen sollte“ (Sauer 1998, 180). Roschitz vermutet, dass ob der verblüffenden Geschwindigkeit mit der Mally „seine dynamische Wirklichkeitsphilosophie an die neuen politischen Gegebenheiten anpasste“, wobei er „über eine bloße Angleichung der Begrifflichkeiten erheblich hinausging“, wohl ein „Überzeugungstäter“ am Werk war (vgl. Roschitz 2016, 40). Ab 1938 fällt Mally auch mit antisemitischen Äußerungen auf (vgl. Schönafinger 1994, 45; Sauer 1998, 173).

1942 wird Mally aus gesundheitlichen Gründen entpflichtet, 1944 verstirbt er in Schwanberg (Steiermark), wohin er aufgrund des „Bombenkriegs“ ausgewichen ist (vgl. Schönafinger 1994, 44-45). Für Sauer steht Mallys Spätphilosophie „in einer Reihe mit den Bäumlers, Kriecks, Weinhandls und wie die philosophischen Wasserträger des Nationalsozialismus alle hießen“ (vgl. Sauer 1998, 185). Die Anstrengungen, die Mally ab 1938 unternommen hat, um seine „dynamische Wirklichkeitsphilosophie in ein braunes Kleid zu hüllen und politisch nutzbar zu machen“ würden aber, urteilt Roschitz, nicht „die ganze Wirklichkeitsphilosophie samt ihrer vielen positiven Einsichten auf dem weiten Feld der philosophischen Erkenntnistheorie“ mit einem Schlag entwerten (Roschitz 2016, 178).