Franz Häußler

Franz Häußler wird am 25.05.1899 geboren, studiert Germanistik, Philosophie, Geschichte und Romanistik an der Universität Wien und promoviert dort 1922.1 Danach arbeitet er als Bankangestellter, ab 1928 als Gymnasiallehrer (vgl. Binder 2001, 683). 1934 gründet er nach eigenen Angaben die Jung-Urania als Jugendabteilung der Volksbildungsorganisation Urania, weil er „einerseits Kurse und Lehrgänge für Kinder, Jugendliche und Studenten zu pflegen […] andererseits der Jugend der aufgelösten [NS‐]Verbände ein Obdach zu geben versuchte“ (Lebenslauf Franz Häußler in der Anlage zum Aufnahmeantrag in die Reichsschrifttumskammer; Barch, RK I 0213, zit. n. Autengruber et al. 2013, 57). Als Zielgruppe für die Jugendgruppen der Urania versteht er also von Anfang an Jugendliche aus Milieus, die gegenüber der ständestaatlichen Diktatur in Österreich feindlich eingestellt sind, so auch jene aus den damals aufgelassenen nationalsozialistischen Jugendverbänden. Die Jung-Urania wird, wie auch einige andere Jugendvereine in Österreich, dazu genutzt, die Arbeit nunmehr illegaler nationalsozialistischer Jugendvereine getarnt weiterzuführen. Vor allem gebraucht man die Jung-Urania als Tarnorganisation der sogenannten „Jungmädelarbeit“ für Mädchen unter 14 Jahren. Insbesondere Ferienlager dienen der nationalsozialistischen Unterwanderung von Kindern und Jugendlichen, die ab Mitte der 1930er zahlreich organisiert werden. 1937 werden BDM-nahe Ferienlager-Leiterinnen aufgedeckt und belastete MitarbeiterInnen von der Urania entlassen (vgl. Gehmacher 1994, 393 ff). Ebenfalls 1937 wird die Jung-Urania verboten und 1938, im Jahr des „Anschlusses“, in die Hitlerjugend überführt.

1938 wird Franz Häußler Blockleiter, später auch Mitglied der NSDAP (vgl. Autengruber et al. 2013, 57). 1942 habilitiert er sich mit seiner Schrift Kausale und metakausale Denkweisen an der Universität Graz für Psychologie und wird 1943 zum Dozenten ernannt (vgl. Binder 2001, 683). Er führt rassenpsychologische Untersuchungen an französischen Kriegsgefangenen durch, denen Otto Tumlirz als wissenschaftlicher Leiter zugeteilt ist (vgl. Tschinkel 2009, 73 und Schönafinger 1994, 48 sowie ebd., 63 f). Nach Kriegsende wird Franz Häußler 1945 entlassen, 1950 wird er aber wieder als Privatdozent für Psychologie zugelassen (vgl. Binder 2001, 683). Franz Häußler stirbt am 16.11.1958 (vgl. Autengruber et al. 2013, 57). 1965 wird im Gemeinderatsausschuss vom 7.4. die Häußlergasse in Wien Donaustadt (Kagran) nach ihm benannt. Im vorbereitenden Akt der Magistratsabteilung 7 findet sich keine besondere Begründung für diese Namensgebung. Die von der Universität Wien und der Stadt Wien beauftragte Forschungsgruppe, die von 2011 bis 2013 unter Leitung von Oliver Rathkolb die Wiener Straßennamen seit 1860 wissenschaftlich analysiert und zeithistorisch kontextualisiert, bezeichnet die Benennung der Häußlergasse als „Fall mit intensivem Diskussionsbedarf“ (vgl. WStLA, M.Abt.350, A1: 2150/1964 und Autengruber et al. 2014, 131 f). Franz Häußler verstirbt am 16.11.1958 in Wien (vgl. Binder 2001, 683).

  1. Alle biografische Angaben stammen, sofern nicht anders angegeben, aus Binder et al. 2001, 682f.