Franz Kröner

Franz Kröner wird am 12.12.1889 in Schönwald in Nordmähren geboren.1 Er studiert von 1908 bis 1914 und von 1919 bis 1922 an der Universität Wien, zuerst Mathematik und Physik, später beschäftigt er sich mit Studien der großen philosophischen Systeme, insbesondere mit Problemen der Erkenntnistheorie (Acham 2001, 375). 1922 promoviert er mit der Arbeit Über Transzendenz und Irrationalität. 1929 erscheint sein Hauptwerk Die Anarchie der philosophischen Systeme, das von den NeopositivistInnen reserviert aufgenommen wird und ihn akademisch isoliert (vgl. Jánoska 1970, 373; Acham 2001, 376). Mit seinem Eintritt in die NSDAP am 01.05.1933 schwindet jegliche Chance auf eine akademische Karriere im „austrofaschistischen“ Österreich (vgl. Tilitzki 2002 I, 729f.; Schönafinger 1994, 58).2 Ab 1935 lebt er als „eine Art politischer Emigrant“ (Tilitzki 2002 I, 730) in München.

1939 habilitiert er sich dort mit der Schrift Versuch einer Logik der Philosophie, die im Vorwort, wie sein Schüler Georg Jánoska bemerkt, „leider doch starke Kompromisse mit dem damaligen Ungeist erkennen läßt“ (Jánoska 1970, 374). Die Aufgabe der Philosophie im Nationalsozialismus sei es, so Kröner, „den Kampf gegen die westlichen Demokratien, von denen Deutschland schon wieder ‚in einer feindlichen ideologischen Front‘ eingekreist sei, mit den Mitteln der Erkenntnistheorie aufzunehmen“ (zit. n.: Schönafinger 1994, 58f.). Der „deutsche Philosoph“, so Kröner weiter, habe „mit der ganzen Ernsthaftigkeit seines Berufsstandes dafür zu kämpfen, die ausländischen Einflüsse als ‚teuflische Propaganda‘, die das deutsche Volk spalten will, zu entlarven“ (zit. n.: ebd., 59).

1940 wird Kröner zum Dozenten an der Universität Graz ernannt. Als Ernst Mally 1942 pensioniert wird, übernimmt Kröner die Vertretung des Lehrstuhls. Sein Name findet sich auch im Vorschlag für dessen Nachbesetzung (vgl. Tilitzki 2002 II, 786). Mally spricht sich hinsichtlich des politischen Nutzens von Kröners gegen den Neopositivismus gerichteten Schriften positiv für ihn aus (vgl. ebd., 786). Letztlich wird der Lehrstuhl mit keinem der vorgeschlagenen Kandidaten besetzt, sondern geht an den als nationalsozialistischen Philosophen anerkannten Ferdinand Weinhandl (vgl. Korotin 2007, 174).

Eine „markante Abkehr von der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften“ (Tilitzki 2002 II, 788) signalisieren die Titel seiner Grazer Lehrveranstaltungen, wie etwa Die Philosophie unserer Zeit, gesehen vom Standpunkte des Nationalsozialismus (SS 1942), Der Sinn der Geschichte und der Sinn des Reichs (WS 1942/43) oder Ethik im Geiste des Nationalsozialismus (WS 1941/42). Im Herbst 1945 wird er im Zuge der Entnazifizierung mit zweijähriger Bewährung aus dem Universitätsdienst entlassen und fungiert danach als pädagogischer Leiter der Grazer Volkshochschule (vgl. Berger 1997, 38; Binder et al. 2001, 685). Im Herbst 1951 wechselt er an die ETH Zürich (vgl. Acham 2001, 374). Mit ministerieller Bestätigung vom 02.08.1952 erfolgt die Wiederzulassung als Privatdozent für Philosophie, gefolgt von einer Beurlaubung per Fakultätsbeschluss vom 23.01.1953 wegen seiner Tätigkeit in Zürich (vgl. Binder 2001, 685). Kröner stirbt am 24. April 1958 in Innsbruck.

  1. Alle biografische Angaben stammen, sofern nicht anders angegeben, aus Binder et al. 2001, 682f.
  2. Tilitzki stellt eine weltanschaulich problematische Quelle dar. Weltanschaulich problematisch, weil sie offen (geschichts-)revisionistische Intentionen verfolgt (vgl. bspw. Tilitzki 2002 I, 22/23). Der Revisionismus von Autor und Werk ist weithin bekannt und wird kritisiert (z.B. Meyer 2002, Breuer 2002, Leaman 2006 Anm. 1), unter anderem, weil Tilitzki eine „Mittäterschaft von Juden“ betont und damit einen „gewissen Antijudaismus“ (Sandkühler 2009, 61 und Meyer 2002) stützt sowie weil er die Schuldfrage und die Rolle Deutschlands im Zweiten Weltkrieg relativiert (cf. Sandkühler 2009, 61 f., Flasch 2002). Sandkühler kritisiert an Tilitzkis Werk die Normativität eines „apologetisch-entlastenden Gebrauch[s] der Zeitgeschichte“ (Sandkühler 2009, 61, Herv. im Orig.). Laut Zeitschrift des Allgemeinen Studierendenausschuss der Freien Universität Berlin wurde Tilitzki aufgrund seines Buches „[gebeten] für die Bereiche Politische Theorie und Ideengeschichte des OSI […] künftig keine Seminare mehr am Institut [Otto-Suhr-Institut der FU Berlin] anzubieten“ (Luca, Milly und Timo 2009, 36).