Wolfram Steinbeck

Wolfram Steinbeck wird am 14.03.1905 in Erfurt in Deutschland geboren.1 Sein Studium in Greifswald und Breslau schließt er 1929 mit seiner Dissertation Zum Problem der Bildung in der Philosophie der englischen Aufklärung ab. Seit 1931 ist er im Schlesischen „Landschutz“ aktiv. Dieser wird 1993 in die Sturmabteilung (SA) übernommen, wodurch Steinbeck Mitglied der SA wird. Schon davor, zum 01.10.1932, wird Steinbeck Mitglied der NSDAP (vgl. Korotin 1997, 274). Zum 01.07.1933 wird er Mitglied im NS-Lehrerbund (vgl. Leaman 1993, 104, 106).

In der Folge arbeitet Steinbeck bei Alfred Baeumler, der seit 1933 Inhaber des neugeschaffenen Lehrstuhls für Politische Pädagogik an der Universität Berlin ist. Baeumler, unter anderem für die „Nutzbarmachung“ Nietzsches für den Nationalsozialismus von herausragender Bedeutung, ist „näher am nationalsozialistischen Machtzentrum als alle anderen Philosophen“ (Whyte 2008, 172). Er bietet Steinbeck 1934 eine Assistentenstelle am neu gegründeten Institut für Politische Pädagogik an, dessen Direktor Baeumler ist. Dort bleibt Steinbeck bis 1937, danach wird er Hilfsstellenleiter im Amt Wissenschaft des Reichserziehungsministeriums (vgl. Korotin 2007, 174).

1938 habilitiert sich Steinbeck in Berlin mit der Schrift Das Bild der Philosophie in der Philosophie Johann Gottlob Fichtes und wird in der Folge Dozent an der Universität. 1939 hält er seine Probevorlesung über die philosophischen Grundlagen des nationalsozialistischen Gemeinschaftsbegriffs.
Für Baeumler „zählt Steinbeck zu den wenigen ‚ganz sicheren‘ Männern des akademischen Nachwuchses“ (Tilitzki 2002 I, 711).2 So ist nicht verwunderlich, dass er sich mit Nachdruck dafür einsetzt, dass Steinbeck zum Nachfolger Carl Siegels an die Universität Graz berufen wird. Er setzt sich schließlich gegen bestehende Bedenken durch, dass Steinbeck noch zu unerfahren sei, da er seine Laufbahn als Dozent „gerade erst begonnen“ habe (vgl. Tilitzki 2002 II, 785f.).
Steinbeck wird zuerst als Vertreter des Lehrstuhls mit der Aussicht nach Graz geschickt, ebendort als Extraordinarius berufen zu werden (vgl. Schreiben des Kurators der wissenschaftlichen Hochschulen in Graz und Leoben an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin vom 22. Juni 1943, zit. n.: Korotin 2007, 174).

Im Dossier des Sicherheitsdiensts des Reichsführers SS über Steinbeck wird dieser als „weltanschaulich zu den überzeugten Nationalsozialisten [gehörig]“ bewertet, „die sich jederzeit für den Einsatz zur Verfügung stellen“. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass Steinbeck von Baeumler als „ungewöhnlich begabt“ beurteilt wurde (Leaman/Simon o.J., 44).
Steinbeck wirkt nur relativ kurz in Graz, da er an die Front eingezogen wird. Nach der Befreiung 1945 wird Steinbeck von der Universität Graz als „Reichsdeutscher“ entlassen (vgl. Schönafinger 1994, 72).

  1. Sofern nicht anders angegeben, stammen sämtliche biografische Angaben zu Steinbeck aus seinem Personalakt, zitiert nach Schönafinger 1994, 61f.
  2. Tilitzki stellt eine weltanschaulich problematische Quelle dar. Weltanschaulich problematisch, weil sie offen (geschichts-)revisionistische Intentionen verfolgt (vgl. bspw. Tilitzki 2002 I, 22/23). Der Revisionismus von Autor und Werk ist weithin bekannt und wird kritisiert (z.B. Meyer 2002, Breuer 2002, Leaman 2006 Anm. 1), unter anderem, weil Tilitzki eine „Mittäterschaft von Juden“ betont und damit einen „gewissen Antijudaismus“ (Sandkühler 2009, 61 und Meyer 2002) stützt sowie weil er die Schuldfrage und die Rolle Deutschlands im Zweiten Weltkrieg relativiert (cf. Sandkühler 2009, 61 f., Flasch 2002). Sandkühler kritisiert an Tilitzkis Werk die Normativität eines „apologetisch-entlastenden Gebrauch[s] der Zeitgeschichte“ (Sandkühler 2009, 61, Herv. im Orig.). Laut Zeitschrift des Allgemeinen Studierendenausschuss der Freien Universität Berlin wurde Tilitzki aufgrund seines Buches „[gebeten] für die Bereiche Politische Theorie und Ideengeschichte des OSI […] künftig keine Seminare mehr am Institut [Otto-Suhr-Institut der FU Berlin] anzubieten“ (Luca, Milly und Timo 2009, 36).