Zwei Lebensläufe

Versuch einer Gegenüberstellung

Ferdinand Weinhandl
Konstantin Radaković

Die Kontrastierung der Biografien von Konstantin Radaković und Ferdinand Weinhandl könnte als Versuch einer Idealisierung oder Dämonisierung missverstanden werden. Dessen sind sich die AutorInnen bewusst. Dies wollten wir in der gesamten Broschüre vermeiden, weshalb wir immer nah an den Quellen gearbeitet und wenig Interpretation geliefert haben. So auch nicht anders bei den folgenden Lebensläufen.

Die Heraus- und Gegenüberstellung lenkt Aufmerksamkeit auf die beiden Biografien. Das war eine bewusste Entscheidung. Denn beide Lebensläufe zeigen zwei grundsätzlich verschiedene Reaktionen auf den Nationalsozialismus, aber auch, wie das Österreich der Nachkriegszeit mit diesen Reaktionen umgegangen ist. So sprechen Einzelbiografien auch über Institute, Universitäten und Gesellschaften.

Im Kontrast besteht die Gefahr, dass die „Grautöne“ untergehen. Dies ist nicht die Intention der Auswahl und um eine solche Wirkung zu vermeiden, nehmen die Texte keine moralischen Wertungen vor. Es wurden nicht die Jahre die im Fokus stehen ausgewählt, weil diese die beiden in einem bestimmten Licht erscheinen lassen, sondern die beiden wurden ausgewählt, weil sie in den Jahren die der Fokus dieser Broschüre sind, exponiert gehandelt haben.

Aus Radaković Lebenslauf wird deutlich, dass man ein erklärter Gegner des Naziregimes sein konnte, selbst an einer sehr deutschnational eingestellten Universität, in der späteren „Stadt der Volkserhebung“; dass zumindest nicht alle Philosophen in Graz kritiklos der Ideologie des Nationalsozialismus verfallen sind.

Andererseits ist die Karriere Weinhandls eine, wie sie in Österreich nicht ungewöhnlich war: Über viele Jahre hinweg engagierter Nationalsozialist zu sein, schloss in Österreich nach 1945 weder von Karriere noch von hohen Ehrungen aus.

Wenn das so klingt, als wäre es doch ein Versuch, Radaković zu idealisieren und Weinhandl zu verdammen, dann liegt das nicht in unserer Absicht. Da wir aber nur gut belegte Fakten auflisten, entsteht die moralische Wertung bei den LeserInnen.