Ferdinand Weinhandl

Ferdinand WeinhandlIm Grunde setzt Ferdinand Weinhandls Karriere erst nach der Machtübergabe an die NSDAP im Mai 1933 ein. Der gebürtige Steirer befindet sich bereits seit 1921 in Kiel (vgl. Sellhoff 2009, 285), kann aber bis 1935 (vgl. S. 32) nirgends im Sinne einer Berufung Fuß fassen. Zumindest auf acht Berufungslisten verschiedener Universitäten ist Weinhandls Name gemäß eigener Angaben schon vor dem Mai 1933 zu finden.((Gemäß des Inhalts eines Lebenslaufs von 1938 zit. n. Oberkofler 1981, 289.)) Danach wird er bis 1944 wenigstens sieben Mal (Berufungen eingeschlossen) genannt. Im Jahr 1935 erfolgt noch im Zuge der „Säuberung der Universitäten“ (vgl. Laugstien 1989, 94ff.; Alwast 2007, 22-27) Weinhandls erste Berufung nach Kiel als Nachfolger von Richard Kroner.((Richard Kroner ist Jude und wird „als einwandfreier Frontkämpfer“ (Alwast 2007, 24) aufgrund einer „Ausnahmebestimmung für Altbeamte und Frontkämpfer“ (Laugstien 1989, 90) zunächst auch als „Nicht-Arier“ geduldet. Erst als Reaktion auf Agitationen des NSDStB wird Kroner schließlich entlassen (vgl. Alwast 2007, 24-27).))

Weinhandls Karriere wäre wohl kaum erfolgreich gewesen, hätte er sich auf ideologischer Ebene nicht in hohem Maße engagiert. Zwischen 1929 und 1934 wirkt er bei Alfred Rosenbergs KfdK als Redner und Fachschaftsleiter „Bildende Kunst“ mit((Der (auf den Daten von Leaman 1993, 83 basierenden) Annahme von Ilse Korotin, dass Weinhandl an der Gründung des KfdK im Jahr 1929 beteiligt ist, widerspricht Christian Tilitzki, indem er sie auf die Missinterpretation einer Quelle zurückführt (vgl. Tilitzki 2002 I, 177, Anm. 501). Tilitzki möchte Weinhandl weniger als „alte[n] Kämpfer“ (Korotin 2001, 332) denn als bis 1933 „politisch ungebundenen“ Philosophen sehen (vgl. Tilitzki 2002 I, 176f., Anm. 497). Die obige Interpretation Tilitzki’s ist vor dem Hintergrund zu bewerten, dass Tilitzki 2002 selbst eine weltanschaulich problematische Quelle darstellt. Weltanschaulich problematisch, weil sie offen (geschichts-)revisionistische Intentionen verfolgt (vgl. bspw. Tilitzki 2002 I, 22/23). Der Revisionismus von Autor und Werk ist weithin bekannt und wird kritisiert (z.B. Meyer 2002, Breuer 2002), unter anderem, weil Tilitzki eine „Mittäterschaft von Juden“ betont und damit einen „gewissen Antijudaismus“ (Sandkühler 2009, 61 und Meyer 2002) stützt sowie weil er die Schuldfrage und die Rolle Deutschlands im Zweiten Weltkrieg relativiert (cf. Sandkühler 2009, 61f., Flasch 2002). Sandkühler kritisiert an Tilitzkis Werk die Normativität eines „apologetisch-entlastenden Gebrauch[s] der Zeitgeschichte“ (Sandkühler 2009, 61, Herv. im Orig.). Laut Zeitschrift des Allgemeinen Studierendenausschuss der Freien Universität Berlin wurde Tilitzki aufgrund seines Buches „[gebeten] für die Bereiche Politische Theorie und Ideengeschichte des OSI […] künftig keine Seminare mehr am Institut [Otto-Suhr-Institut der FU Berlin] anzubieten“ (Luca, Milly und Timo 2009, 36).)) (vgl. Oberkofler 1981, 289), was George Leaman allgemein als „Indiz rassischen Glaubens und politischer Sympathien“ (Leaman 1994, 49) einschätzt.((Alfred Rosenberg gründet den KfdK im Jahr 1929 mit dem Ziel, für die „Durchführung deutscher Kultur im Sinne Adolf Hitlers“ zu kämpfen (zit. n.: Leaman 1994, 48). Mit dem „Führerauftrag“ im Januar 1934 wird Rosenberg, bereits seit 1933 „Reichsleiter“ der NSDAP, zum offiziellen Leiter der Parteidienstelle Amt Rosenberg (vgl. Bollmus 2009, 20, 54ff.). Der „alte Kämpfer“, der seit 1919 Mitglied der NSDAP ist (vgl. ebd., 18), gibt sich seitdem selbst den Titel „Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“ (Bollmus 2009, 59). Im Jahr 1940 wird offiziell der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg gegründet, welcher für Kunstraub in den besetzten Gebieten zuständig ist (vgl. Leaman 1994, 55). 1941 wird Rosenberg zum Reichsminister für die besetzten Ostgebiete ernannt (vgl. ebd., 20).
Rosenberg wird als nationalsozialistischer „Chefideologe“ (vgl. Tilitzki 2001 I, 589f., Schneider 2001, 275) und als „führender »Theoretiker« der NS-Bewegung“ (Leaman 1994, 45) bezeichnet. Trotz Hitlers „Führerauftrages“ wurde sein Hauptwerk Der Mythus des 20. Jahrhunderts niemals offiziell, also parteiamtlich, als Darstellung der NS-Ideologie anerkannt (vgl. Bollmus 2009, 9). Des Weiteren wurde sein Werk weder in nennenswertem Ausmaß wissenschaftlich rezipiert noch – wie Rosenberg wohl erst spät erfahren hat – von den führenden Parteifunktionären (einschließlich Hitler) gelesen (vgl. ebd., 26). Dem „Amt Rosenberg“ kam wohl wenig machtpolitische Bedeutung zu (vgl. ebd., 9; Schneider, 2001, bes. 285-289). Für weitere Informationen siehe Bollmus 2009; Klingemann 1995; Leaman 1994a und 1994b.)) Auf ideologischer Ebene wird Weinhandl tätig, indem er versucht, der nationalsozialistischen Ideologie ein erkenntnistheoretisches Fundament zu bereiten (vgl. Sellhoff 1990, 288-293; Leske 1990, 188-202; Alwast 2007, 43-46). Mit philosophischen Mitteln betreibt er außerdem u. a. weltanschauliche Hetze gegen den „Bolschewismus“ (vgl. Alwast 2007, 46-49; Oberkofler 1981, 290f.) und zieht gegen feindliche Kriegspropaganda ins Feld (vgl. ebd., 51f.; Korotin 1997, 334).((Für weitere Aspekte von Weinhandls weltanschaulicher Philosophie siehe Haller 1990, 89ff., Korotin 2001, 327ff. sowie Sellhoff 2009, 288-293.))

Vom Sicherheitsdienst (SD) der SS wird Weinhandl nachweislich als Nationalsozialist geschätzt (vgl. Leaman/Simon o.J., 47). Schon im Zuge seiner Kiel-Berufung (1935) wird die Wahl Weinhandls im Eignungsbericht damit erläutert, dass er „zu den seltenen Vertretern des philosophischen Nachwuchses [gehört], bei dem wissenschaftliche Tüchtigkeit sich mit politischer und weltanschaulicher Zuverlässigkeit vereinigt“ (zit. n.: Tilitzki 2002 I, 625; man beachte, dass Tilitzki 2002 selbst eine weltanschaulich problematische Quelle darstellt, vgl. Endnote xxxiii). Im Jahr 1942 erklärt sich der Rektor der Frankfurter Universität Weinhandls „Oktroyierung“ (Tilitzki 2002 II, 853) auf den dortigen Lehrstuhl damit, dass „die Berufung eines aktiven Nationalsozialisten“ (zit. n.: ebd., 824) gewünscht werde. Auch Weinhandl selbst sieht sich bereits 1938 in seinem Artikel Universität und Wissenschaft in den Kieler-Blättern der NSDDB-Akademie als einer der „wegweisenden Repräsentanten der ‚neuen Geistesrichtung’“ (zit. n.: Leske 1990, 110).

Auf hochschulpolitischer Ebene hat Weinhandl „im berufungspolitischen Dreieck Universität/Fakultät-Ministerium-Partei“ (Tilitzki 2002 I, 598) gewissen Einfluss.((Dieses machtpolitische Dreieck ‚Universität/Fakultät-Ministerium-Partei‘ ist holzschnittartig zu verstehen. Einige der Partei zugehörige Instanzen (etwa Amt Rosenberg, NSLB, NSDStB, NSDDB, SS) versuchen damals (teils auch gegeneinander), sich Einflussbereiche in der Berufungspolitik sowie allgemein in der Hochschulpolitik zu sichern (vgl. Seier 1984, 151f.; Laugstien 1989, 104; Tilitzki 2002 II, 852-855).)) Gründe für diesen Einfluss sind, neben seinem gerade aufgezeigten Renommee, sicherlich sein Mitwirken in der NS-Dozentenschaft (vgl. Oberkofler 1981, 289) und (nach deren machtpolitischer Ablösung) im NSDDB, welcher (gemeinsam mit dem NSDStB) seit 1935 „die offizielle Vertretung der Partei, an den Hochschulen“ darstellt (Nagel 2008, 119). Vor diesem machtpolitischen Hintergrund schreibt Weinhandl noch 1944 Gutachten über die Weltanschauung von BerufungskandidatInnen (vgl. Tilitzki 2002 I, Anm. 187, Anm. 238) und beeinflusst so die beruflichen Karrieren anderer PhilosophInnen. Weinhandl hat weiters als wissenschaftlicher Leiter der 1936/37 gegründeten Akademie des NSDDB((Der in Oberkofler 1981, 289 abgedruckte Lebenslauf nennt den 14.06.1937 als Gründungsdatum, während Tilitzki 2002 I, 627 sowie Leaman 1993, 85 (und wohl auf Leaman basierend Korotin 2001) das Datum im Jahr 1938 verorten.)) nicht nur eine einflussreiche NSDDB-Position, sondern auch erheblich Teil daran, dass Kiel als „faschistische Musteruniversität“ gilt (vgl. S.32; Laugstien 1989, 114; Alwast 2007, 38ff.).

Sein Einfluss (etwa durch Tätigkeiten als Gutachter) geht über den NSDDB und Berufungskontexte hinaus. Für Rosenbergs „Reichstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums“ (seit 1936 offizielles „Amt“ Schriftumspflege) sowie für die konkurrierende Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums (PPK) gibt Weinhandl eine Mitarbeit als Lektor an (vgl. Oberkofler 1981, 289;
PA Weinhandl, AdR, ÖstA),((Anlage zu MG/PS/A/4. – Fragebogen Prof. Weinhandl in seiner Personalakte (im Folgenden: PA Weinhandl, AdR, ÖstA), einsehbar im Archiv der Karl-Franzens-Universität Graz.)) die jeweils bis wenigstens 1938 andauert.((Erklärtes Ziel von Rosenbergs Amt Schrifttumspflege war es „»systematisch das gesamte deutsche Schrifttum, soweit es irgendeine bildnerische oder erzieherische Bedeutung für das deutsche Volk hat« zu überprüfen“ (Barbian 1993, 123). Als Ziel der PPK nennt Barbian die Eindämmung der „Konjunktur des »nationalsozialistischen« Schrifttums auf dem Buchmarkt“ (ebd., 132) durch die Einführung eines „Unbedenklichkeitsvermerks“ (zit n.: ebd., 128). Für weitere Informationen zu Weinhandls Arbeitgebern in der Literaturpolitik, siehe u. a. Barbian 1993, 116-137. Zur Arbeit des Amts Schrifttumspflege siehe auch Klingemann 1995, 132-134.)) Es ist schließlich auch der Schriftumspflege-Mitarbeiter Weinhandl, den Alfred Rosenberg und Alfred Baeumler((Den Philosoph Alfred Baeumler sieht Monika Leske als „führenden Naziphilosoph[en] neben Ernst Krieck“ (Leske 1999, 203). Auch Christian Tilitzki teilt diese Ansicht – seiner Meinung nach ist Baeumler „wichtigster Protagonist einer dezidiert nationalsozialistischen Philosophie“ (Tilitzki 2002 I, 613). Im SD-Dossier ist neben Weinhandl auch Baeumler der Gruppe der ‚Nationalsozialistischen Philosophen‘ zugeordnet (vgl. Leaman/Simon o.J., 11). Alfred Baumler wird 1933 nach Berlin berufen (vgl. Tilitzki 2002 I, 605-612). Seit 1934 ist er Leiter der Abteilung „Wissenschaft“ in der Dienststelle Rosenberg (vgl. Leaman 1994, 51). Mit der Erhebung der Abteilung zum selbstständigen Amt im Jahr 1937 wird er Leiter des Amts Wissenschaft (vgl. Leaman 1993, 29). Tilitzki 2002 enthält ausführliche Stellen zu Baeumler, jedoch trifft diese Abschnitte „am deutlichsten“ (Breuer 2002) der Vorwurf von Stefan Breuer, dass die Darstellung „zu bloßen Verdoppelung wird, mitunter sogar zur Beschönigung“ (ebd.).)) im Jahr 1938 mit der Aufgabe betrauen, den populären Philosophen Ludwig Kages in den NS-Monatsheften zu würdigen sowie die Unvereinbarkeit von dessen Lehre mit dem NS aufzuzeigen (vgl. Schneider 2001, 286).

Bereits seit 1942 in Frankfurt und seit März 1944 Leiter der dortigen DozentInnenschaft, wird am 21.08.1944 Weinhandls Entlassung als DozentInnenschaftsleiter beantragt. Dies geschieht aufgrund von „politischer Bedenken“ seitens des NS-Gauleiters (zit. n.: Tilitzki 2002 II, 824) wegen Weinhandls „konfessioneller Zugehörigkeit“ (vgl. ebd., 824, Anm. 206) sowie seitens des NSDStB wegen „konfessioneller Gebundenheit“ (vgl. Brezinka 234, Anm. 27). Nur kurze Zeit nach diesem Vorfall, am 13.11.1944, folgt Weinhandl dem Ruf an die Karl-Franzens-Universität Graz (vgl. Korotin 1997, 335). Nach zwei Jahren „Nachkriegs-Universitätsalltag“ wird er dort mit Einstufung als „Illegaler“ am 05.07.1946 entlassen, erstreitet aber am 23.07.1947 eine Neukategorisierung als „Minderbelasteter“ (vgl. ebd., 337).((Die Hintergründe der formalen Illegalitäts-Einstufung und deren Umwandlung in die Kategorie ‚minderbelastet‘ wurden bisher nicht aufgearbeitet. Womöglich hat Weinhandl die auf dem Rechtsweg erreichte Abschwächung zu Unrecht erstritten (vgl. Korotin 2001, 336-340; Brezinka 2003, 235).)) Für Personen letzterer Kategorie wird am 28.05.1948 eine Amnestie beschlossen (vgl. ebd., 337), womit die Weichen für Weinhandls Rehabilitation in Rechtsangelegenheiten gestellt sind.((Die Daten im Hinblick auf den Aspekt „Weinhandl an der Uni Graz“ stammen aus Ferdinand Weinhandls Personalakte (PA Weinhandl, AdR, ÖstA; vgl. auch Brezinka 2003; Korotin 2001).))

Im Wintersemester 1950/51 suppliert er VO- und Praktikums-Stunden im Fach Psychologie (vgl. Brezinka 2003, 238). 1952 folgt die Ernennung zum ao. Professor und 1958 zum ordentlichen Professor für Psychologie und Pädagogik (vgl. ebd., 240). Die Berufung zum ao. Professor 1952 erfolgt trotz seiner vornehmlich philosophischen, also fachfremden, Tätigkeit in einem wohl zu seinen Gunsten beeinflussten Verfahren (vgl. Brezinka 2003, 239, Anm. 54). Hauptmotiv der Berufung ist damals womöglich eine „aus kollegialer Hilfsbereitschaft und Treue zur lokalen Meinong-Tradition stammende Solidarität mit Weinhandl“ (ebd., 239) seitens des ProfessorInnenkollegiums. Auch vonseiten der Grazer Studierenden wird für Weinhandl gestritten. Im Februar 1946 fordern 50 Studierende und im Juni/Juli 1948 insgesamt 654 Studierende per Resolution dessen Rückkehr als Lehrender.((Gemäß eines Schreibens vom 10.07.1948 an den Rektor Hans Gerstinger mit Anlage von 17 Blättern mit Unterschriften (vgl. PA Weinhandl, AdR, ÖstA) sowie gemäß des Schreibens vom 06.02.1946 an denselben (vgl. ebd.). Dass im Februar 50 Studierende unterschrieben haben, ist auf Seite 3 handschriftlich ergänzt (vgl. bzgl. der Petitionen auch Brezinka 2003, 235ff., der aber andere Zahlen angibt).))
Für Weinhandls Re-Profilierung kommt dem oben erwähnten „Frankfurt-Vorfall“, insbesondere dem Entlassungsgrund „konfessionelle Gebundenheit (bzw. Zugehörigkeit)“, eine zentrale Bedeutung zu. Letzterer liefert den Stoff für Weinhandls „zentrale[s] Entlastungsargument“ (Korotin 1997, 338). In einem sonst vom Opfer-Narrativ durchzogenen Lebenslauf bezeichnet Weinhandl seine „Weigerung, aus der Kirche auszutreten“ (zit. n.: ebd., 336) als Stein des Anstoßes seitens des NS-Gauleiters. Auch seine studentischen FürsprecherInnen betonen, Weinhandl habe ihnen den „Zugang zum […] Christentum erschlossen“ (zit. n.: ebd., 336). Sie sind sicher, dass Weinhandl „seinem Wesen nach niemals Nationalsozialist war“ (Brezinka 2003, 235).((vgl. Abschrift der „Erklärung von Hildegard Hoffmann, Studienassessorin zur Zeit Frankfurt/Main vom 19.07.1946“. (PA Weinhandl, AdR, ÖstA) Siehe auch Abschrift der „Erklärung von Annelise Becker in Frankfurt, 20.07.1946“ (ebd.), nach eigener Angabe „Hörerin und Doctorandin von Herrn Prof. Weinhandl“ (ebd.): „In persönlichen Gesprächen mit Herrn Prof. Weinhandl habe ich erfahren, dass seine Lebenshaltung durchaus vom Christentum her bestimmt ist. Daraus geht seine ablehnende Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber eindeutig hervor.“ (ebd.).))

Obwohl Ferdinand Weinhandl im NS-Staat zu den „maßgeblichen Philosophen“ (Korotin 1997, 336) zählt, kann er seine akademische Berufsausübung inklusive Lehrtätigkeit nach ungefähr vier Jahren Unterbrechung (von Juli 1946 bis ca. September 1950) in maßgeblichem Umfang fortsetzen. Seine NS-Vergangenheit wird mithilfe des Opfer-Narrativs und dem primären Entlastungsargument systematisch umgedeutet und hat zumindest mittelfristig keinerlei Auswirkungen auf seine öffentliche Reputation.((Als Exemplar „systematischer Umdeutung“ ist die Würdigung von Person und Werk Weinhandls durch den Philosophen Johann Fischl zu nennen, welche die 1967 erschienene Geburtstags-Festschrift Gestalt und Wirklichkeit einleitet (vgl. Mühlher/Fischl 1967, 1-5; PA Weinhandl, AdR, ÖstA).)) Noch 1963 wird ihm das „Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse“ verliehen. 1965 folgt die Ehrenmitgliedschaft in der „Societa Italiana di Psicologia Scientifica“ und im gleichen Jahr die Wahl zum Mitglied der „Philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften“ in Wien.((vgl. Lebenslauf aus dem Nachlass von Konstantin Radaković, Abt. 3.)) Weinhandls umfangreiches Engagement während der NS-Zeit hat also zunächst, so scheint es, in keiner Weise sein Renommee beeinträchtigt.